ADHS Teil 1
Teil1 - Vor dem Kindergarten
Hallo,
ich möchte euch hier meine Geschichte mit ADHS erzählen. Ich habe inzwischen 5 Jahre Ärzte/Psychologen/Kliniken hinter mir, und habe gemerkt wie schwer und steinig der Weg ist. Auch, wie viel Kraft er abverlangt, von mir sowie meiner Tochter.
Mit dieser Geschichte möchte ich anderen Betroffenen helfen, ihnen einen Einblick geben, dass wenn man es wirklich möchte man alles schaffen kann.
Erstmal zu mir, mich nennen eigentlich alle nur Sam, bin inzwischen 30 Jahre alt, alleinerziehende Mutter einer 7 jährigen Tochter mit ADHS.
Zum Schutz meiner Tochter werde ich sie in diesem Bericht nur mit „J“ erwähnen.
Es wird ein ziemlich langer und ausführlicher Bericht, daher habe ich mich entschlossen den Bericht in 3 Teile aufzuteilen: Die Zeit vor dem Kindergarten, die Kindergartenzeit und die Schulzeit. Im 1. Teil geht es zum größten Teil noch um meinen Ex-Mann weil wir inzwischen wissen, dass er mit seinem Verhalten einen großen Teil zu den heutigen Problemen meiner Tochter beigetragen hat.
Teil 1
Eine kleine Vorgeschichte muss ich vorab loswerden, damit ihr den späteren Verlauf verstehen und nachvollziehen könnt.
Ich habe meinen damaligen Mann kennen gelernt da war ich gerade 21. Ich dachte sowas tolles ist mir noch nicht passiert. Ich war überglücklich, wir zogen auch relativ schnell zusammen, schon 2 Monate nach unserem Kennenlernen.
Ja, man kann es jetzt so oder so sehen, „leider“ mag mein Ex-Mann sagen, ich sage Gott sei Dank wurde ich sehr schnell schwanger. Schon 3 Monate nach unserem Kennenlernen. Da ich persönlich aus einer großen und Kinderreichen Familie komme, hatte ich damit kein Problem, ja freute mich sehr als ich es erfuhr, das war das Schönste was ich in meinem Leben erfahren durfte.
Die Schwangerschaft lief nicht ganz Problemlos ab, was dann auch vielleicht mit den späteren Problemen zu tun haben könnte.
Ich war im 2. Monat schwanger und stürzte im Winter eine vereiste Treppe hinunter. Zuerst war alles okay, doch einen Tag später bekam ich Blutungen, ich bin natürlich sofort zu einem Arzt gegangen, wobei sich mein damaliger Freund weigerte mitzugehen. Hmm….naja ich dachte aus Angst um das Kind.
Der Arzt sagte mir, dass soweit alles okay ist, die Gebärmutter sich nur etwas gesenkt habe und ich mich jetzt ein paar Tage hinlegen soll, es könnte durch die Absenkung zu einer Frühgeburt kommen. Die restliche Schwangerschaft verlief dann aber ohne Komplikationen und wir näherten uns dem Geburtstermin der für Anfang August festgelegt wurde. Inzwischen haben ich und mein damaliger Freund geheiratet, weil wir wollten, dass das Kind in einer normalen Umgebung aufwächst.
Der August näherte sich und damit der Geburtstermin. Doch J wollte einfach nicht so wie gedacht. Die Ärzte wollen die Geburt dann einleiten, was aber nicht klappte, ich bekam einfach keine Wehen. Ende August entschloss man die Kleine dann per Kaiserschnitt zu holen.
Tja, da war dann mein ganzer Stolz. Ganze 58 cm groß und 3700 Gramm schwer.
Mein Ex-Mann änderte sich immer mehr, wurde richtig bösartig, die Probleme in unserer kleinen Familie wurden immer größer. Er verbot mir zu ihr zu gehen, wenn sie schrie, sie durfte nicht im Wohnzimmer spielen, hat sie und mich also richtig unterdrückt. Er weigerte sich nachts aufzustehen um sie zu füttern, oder für sie da zu sein, das habe alles ich gemacht, denn er sagte mir ins Gesicht „du wolltest das Kind kümmer dich drum“.
Desweiteren arbeitete er fleißig daran mich weiter fertig zu machen. Er grub vor meinen Augen andere Frauen an, selbst meine Tante die mehr eine Freundin als eine Tante für mich war, versuchte er anzumachen. Er bemerkte nicht mal, wenn die anderen Frauen sagten, was das soll, da steht deine Frau neben dir. Sein Verhalten wahr mehr als fehl am Platze, oder war es doch Absicht? Ich werde und möchte es nie erfahren.
Desweiteren hatte er wohl ziemliche Probleme mit der Sauberkeit, nein nicht im negativen Sinne sondern im positiven, wenn Krümel lagen mussten die sofort weg, selbst wenn wir noch beim Essen waren summte der Staubsauger unter den Füßen.
Als ich mit einer Lungenentzündung krank war, kam er nicht auf die Idee mir etwas an Arbeit abzunehmen, stattdessen verlangte er trotzdem, dass ich seinem Sauberkeitswahn entspreche, obwohl ich mich kaum bewegen konnte ohne Atemnot zu bekommen. Gott sei Dank waren meine Eltern für mich da, die, das muss ich hier mal erwähnen, mich auf meinem ganzen Weg sehr unterstützt haben.
Er hat mich so eingeschüchtert, damit ich seinen Anforderungen gerecht wurde, dass ich anfing die Kleine zu vernachlässigen, einfach aus Angst vor ihm.
J war von Anfang an so, dass sie sehr wenig geschlafen hat, sie war als Säugling schon 16 Stunden am Tag wach. Das alles zog sich ohne große Besserung hin, bis sie zwei Jahre alt war. Da fiel mir dann erst so richtig auf, dass mit ihr etwas nicht stimmt. Sie konnte nicht spielen, war nur auf Achse, was ich aus der Erfahrung mit meiner Familie als unnormal empfand. Sie hatte keine Geduld bei allem was sie tat. War nur am schreien und unruhig. Also ging ich mit ihr zum Kinderarzt, der sagte mir gleich, dass sie noch zu jung ist um da irgendwas feststellen zu können. Ich muss noch Geduld haben, vielleicht verwächst sich das und sie ist einfach nur ein aktives Kind.
Die nächste Niederschlag kam als sie 2 ½ Jahre war. Ich wollte mit ihr zum Kinderturnen gehen, alle merkten aber sehr schnell, dass das nicht gut geht. Beim Turnen gab es immer erst einen Begrüßungskreis, in diesem ist sie
nicht sitzen geblieben, konnte sich nicht auf das Konzentrieren, was die Turnleiterin gesagt hat, rannte immer nur in der Halle rum, konnte nicht warten bis sie bei einem Turngerät an der Reihe war. So entstanden ständig Konflikte mit den anderen Kindern. Nach relativ kurzer Zeit, es waren vielleicht 2 Monate, wurde ich doch gebeten mit ihr nicht mehr zum Kinderturnen zu kommen. Das war für mich, in der damaligen Situation, in der ich kaum noch Selbstbewusstsein hatte, wie ein Schlag ins Gesicht.
Das Leben ging weiter, und ich war inzwischen soweit, dass ich alles nur noch hinnahm, praktisch wie eine Marionette.
Das Verhältnis zwischen ihrem Vater und seiner Tochter war nie sehr gut. Nachdem er Arbeitslos wurde und ich mir Arbeit suchte um die Familie über Wasser zu halten fand die Sache ihren Höhepunkt.
Ich ging morgens um 10 Uhr aus dem Haus. Dabei hatte ich immer ein schlechtes Gefühl, ich kann es nicht beschreiben aber es stimmte einfach etwas nicht.
Eines Tages sagte ich zu ihm dass ich früher auf die Arbeit müsse. Fuhr aber nur um den Block um 10 Minuten später wieder zu Hause zu sein. Was ich da vor fand hat mich erschüttert. Die Kleine war schreiend in ihrem Zimmer eingesperrt, und er vergnügte sich.
Ich stellte ihn zu rede und aus dem daraus resultierenden Streit erfuhr ich, dass er das öfter machte, wenn ich weg war. Weiterhin stellte sich heraus, dass er sie auch Misshandelte, die blauen Flecke an ihr waren bis dahin immer nur Unfälle, gut kann bei Kindern passieren. Ich muss zugeben ich war da ziemlich blind. Was im Nachhinein ein Riesen großer Fehler war.
Wisst ihr, wenn man in so einer Situation ist, sieht man das im Einzelnen vielleicht als nicht so tragisch an. Doch irgendwann haben sich meine Augen geöffnet. Er misshandelte sie, mich hat er psychisch gequält. Gegen Ende unserer Ehe stellte sich heraus, dass er mich mit ALLEM belogen hat, mit seiner ganzen Existenz, Kindheit, Beruflich und, und, und.
Als J kurz vor ihrem dritten Geburtstag stand fand ich endlich die Kraft mich von ihm zu trennen. Ich hatte natürlich riesige Angst vor dem Schritt, weil ich nicht wusste, was als Alleinerziehende auf mich zukommt.
J war inzwischen so Aktiv und ungehalten, dass die Probleme immer größer wurden.
Sie wurde noch unruhiger, hat noch weniger geschlafen. Ich hatte schon große Angst, was passiert, wenn sie in den Kindergarten geht.
Ende August, kurz nach ihrem dritten Geburtstag zog er aus, von heute auf Morgen, ich sagte zu ihm, wir müssen das der Kleinen Kindgerecht erklären, warum er geht usw.
Was hat er gemacht? Er nahm die Kleine auf den Schoß sagte zu ihr: „Papa geht jetzt weg und kommt nie wieder.“ Stand auf und ist gegangen.
Ich stand da total verwirrt, die Kleine total verwirrt. Damals habe ich versucht sie so gut ich konnte aufzufangen.
Während ich nicht zuhause war räumte er die Wohnung aus mit allem was er haben wollte und ließ mich mit einem riesen Berg Schulden sitzen. Er hielt es nicht für nötig die Sachen die er auf mich bestellt hat dann auch zu bezahlen.
Nach einiger Zeit sagte ich, dass er sie am Wochenende sehen kann, und dass ich trotz allem möchte, dass er ihr ein Vater ist. Was sich später als weiteren großen Fehler herausgestellt hat.
J und ich richteten uns unsere kleine Wohnung für uns ein, ganz gemütlich und fingen an ein neues Leben aufzubauen, ich war befreit von ihm, von dieser Psychischen Quälerei seinerseits und J von den Schlägen und dem Eingesperrt sein.
Ich dachte vielleicht liegt ihr Verhalten an dem was sie in ihrem kurzen Leben mitgemacht hat, und baute damals darauf, dass es sich ab jetzt bessern wird.
J hatte dann ab Anfang Oktober einen Kindergartenplatz auf den sie sich sehr freute, mit dem, ich sage mal, unsere Probleme aber erst richtig anfingen.
Mehr dazu im 2. Teil....